Nächstes Café am 19. Juli

Los geht es wie immer um 19:00 Uhr und um 19:30 Uhr beginnt der Vortrag.

Rechtspopulismus – Konformistische Rebellion der verunsicherten Mitte

Vortrag und Diskussion mit Jens Benicke

In den letzten Jahren haben sog. rechtspopulistische Parteien und Bewegungen einen scheinbar unaufhaltbaren Aufstieg erlebt. In zahlreichen Ländern, wie Russland, Ungarn, Polen, der Türkei und den USA konnten sie die Regierung übernehmen. In Frankreich und den Niederlanden wurde dies nur knapp verfehlt. Großbritannien wurde durch eine aggressive Kampagne gegen Migrantinnen und Migranten in den Austritt aus der EU getrieben und auch hierzulande können die sog. „Alternative für Deutschland“ und PEGIDA die öffentliche Debatte über Flucht und Migration bestimmen und die etablierten Parteien vor sich hertreiben.
Doch wie lässt sich diese globale autoritäre Entwicklung analytisch fassen? Ist der Begriff des Rechtspopulismus dafür überhaupt tauglich? Oder verharmlost er diese Erscheinungen? Müsste nicht eher von Autoritarismus, Rechtsextremismus oder gar Faschismus gesprochen werden?
Ziel des Vortrages ist es, einige Erklärungen für den aktuellen Erfolg des Rechtspopulismus zu liefern. Dabei soll gezeigt werden, welche Bedeutung die globale Krise für den Vormarsch der rechten Parteien und Bewegungen hat. Denn die durch die Krise ausgelösten Abstiegsängste und Unsicherheiten setzen in der „verunsicherten Mitte“ der Gesellschaft ein autoritäres Potenzial frei, das die Basis bildet für den Aufstieg des Rechtspopulismus. Unter Rückgriff auf die Theorie des autoritären Charakters soll aufgezeigt werden, wie die bislang unterdrückten und nur im privaten Umfeld geäußerten Ressentiments nun öffentlich artikuliert werden können. Aus dem Meckern am Stammtisch wird so eine konformistische Rebellion der autoritären Persönlichkeiten auf den öffentlichen Plätzen, in der Wahlkabine und im Parlament.

Es spricht Jens Benicke, von dem 2016 die 2. Auflage von „Autorität & Charakter“ bei Springer VS erschienen ist.

Nächstes Cafe 21. Juni

Los geht es wie immer um 19:00 Uhr und um 19:30 Uhr beginnt der Vortrag.

Kritik der Anthroposophie und Waldorfpädagogik

Hautcreme für Babypopos von Weleda, biologisch-dynamische Karotten der Marke Demeter, Rudolf-Steiner-Brot im Naturkostladen und die Waldorfschule basieren auf der Anthroposophie. Der Journalist Peter Bierl beschäftigt sich in seinem Vortrag mit dieser okkulten Weltanschauung und ihrem Gründer Rudolf Steiner. Der Mann präsentierte sich als Hellseher und wurde von Anhängern als „Menschheitsführer“ und Wiedergeburt von Aristoteles verehrt. Steiner war überzeugt, dass nur die „weiße Rasse“ am Geiste schafft, während Schwarze überhitzte Triebwesen seien und Juden zersetzend wirkten. In der Welt der Anthroposophen spuken Engel und Dämonen, Volks- und Rassengeister, finden sich Versatzstücke aus Buddhismus, Hinduismus und Christentum mit Darwinismus und Kulturpessimismus. Heute erklären Anthroposophen die Reaktorkatastrophe in Fukushima als karmischen Ausgleich. Solche bizarren Vorstellungen prägen sowohl die Waldorfschule, ihre Grundlage ist die Idee von Reinkarnation und Karma. Lehrer werden nach den Ideen Steiners ausgebildet. In einem Buch, das zur Unterrichtsvorbereitung empfohlen wurde, heißt es: „Der Keim zum Genie ist der arischen Rasse bereits in ihre atlantische Wiege gelegt worden.“

Peter Bierl ist freier Journalist und lebt in der Nähe von München. Er schreibt u.a. für Konkret, Jungle World und Rechter Rand. Er ist Autor von „Grüne Braune: Umwelt-, Tier- und Heimatschutz von rechts“ (Unrast-Verlag 2014), „Schwundgeld, Freiwirtschaft und Rassenwahn. Kapitalismuskritik von rechts: Der Fall Silvio Gesell“ (Konkret-Verlag, 2012) sowie „Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister. Die Anthroposophie Rudolf Steiners und die Waldorfpädagogik“ (Konkret, 2005)

Nächstes Café am 17. Mai

Los geht’s um 19.00 Uhr im AZ Mülheim. Wie immer kostenlos und offen für alle!

Anarchafeministinnen: Die Mujeres Libres im Spanischen Bürgerkrieg.
Vortrag von Vera Bianchi mit Diskussion

Die Gruppe „Mujeres Libres“ (Freie Frauen) wurde im April 1936, also drei Monate vor Beginn des Spanischen Bürgerkriegs, gegründet. Durch den in der CNT herrschenden Sexismus enttäuscht, kamen die Gründerinnen zu der Überzeugung, dass es zumindest temporär notwendig sei, sich in einer Frauengruppe zu organisieren. Mit der Gruppe verfolgten sie zwei Ziele: „captación“ – Frauen für die anarchistische Bewegung zu begeistern und zu gewinnen – und „capacitación“ – die Befähigung (Bildung und Ausbildung) der Frauen. Dadurch sollten die Frauen wirtschaftlich unabhängig werden – als Grundlage für die geistige Emanzipation. Nach den Mujeres Libres befand sich die Frau in einer dreifachen Sklaverei: als Arbeiterin, als Hausfrau und Mutter und als Unwissende. Während des Spanischen Bürgerkriegs (18.7.1936-1.4.1939) wuchs die Gruppe auf ungefähr 20.000 Mitglieder in über 160 Ortsgruppen an und unterstützte die republikanische Seite auf vielfältige Weise: sowohl als Kämpferinnen an der Front als auch im Hinterland durch Organisierung von Bildungs- und Ausbildungskursen, Kindergärten und Volksspeiseräumen. Die Mujeres Libres hielten die soziale Revolution nur für machbar durch die Verbindung von Anarchismus und Feminismus.

Nächstes Café am 19.04.2017

Los geht es wie immer um 19:00 Uhr und um 19:30 Uhr beginnt der Vortrag.

Die AfD vor der nordrhein-westfälischen Landtagswahl – ein Überblick über das Wirken und Innenleben einer rechtspopulistischen Partei

Vortrag und Diskussion mit Rainer Roeser

Nach der Landtagswahl im kommenden Mai könnten zwischen 20 und 30 Abgeordnete der AfD im Düsseldorfer Landesparlament sitzen. Bei ihrer Gründung vor dreieinhalb Jahren war die selbst ernannte „Alternative für Deutschland“ eine gesellschaftspolitisch konservative und wirtschaftspolitisch neoliberale Partei, die sich zwar rechtspopulistischer Argumentationsweisen bediente, ohne dass dies aber das bestimmende Element der Partei war. Inzwischen ist die AfD zur durchgehend rechtspopulistischen Partei geworden, die ihr Gründungsthema, den Kampf gegen den Euro, längst ergänzt und ersetzt hat durch Parolen gegen Geflüchtete, gegen Islam und gegen eine supranationale Politik. Inzwischen sucht und findet sie die Zusammenarbeit mit extrem rechten Formationen wie der „Freiheitlichen Partei Österreichs“ oder dem „französischen Front National“.

Wer sind die Akteur_innen, die die Rechtsentwicklung der AfD vorangetrieben haben? Und wie ist die stetig weiter nach rechts gedriftete AfD einen Monat vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen aufgestellt?

Rainer Roeser ist freier Journalist und Autor beim „blick nach rechts“ (www.bnr.de). Er hat an mehreren Studien zum Thema AfD mitgearbeitet.

Nächstes Café am 15.03.2017

Los geht es wie immer um 19:00 Uhr und um 19:30 Uhr beginnt der Vortrag.

“Graue Wölfe” und türkischer Nationalismus in Deutschland

Politikwissenschaftlerin Alia Sembol stellt die Vereine in den Fokus, die ein rechtsextrem-völkisch, rassistisches Türkentum als Ziel formulieren. Sie gibt einen Überblick über die „Türkischen” Ultranationalist_innen in Deutschland, ihre Organisationen, ihre Strukturen und Aktivitäten.
Diese Vereine haben sich besonders der Pflege der Kultur, Religion, Bildung und Sport verschrieben, um ihren Größenwahn in der türkischen Community zu erweitern und Kinder und Jugendliche an eine ultranationalistische Ideologie zu binden. Eine Arbeit, die antidemokratisch, antisemitisch und vor allem auf Diskriminierung aufgebaut ist. Mit Großreichphantasien, Militarismus, Feindbildern, religiösen Selbstzuschreibungen versetzt, durch thematisch vielseitige
Angebote für alle Altersgruppen bauen die Vereine an einer vermeintlichen “türkische Identität in der Fremde”, dem „Europa-Türkentum“.
Die Recherche zum türkischen Ultranationalismus und der Umgang mit dem Thema stehen in Deutschland noch am Anfang. Doch diese Auseinandersetzung ist notwendig, und deshalb kann sie nicht ohne einen Diskurs über alltäglichen Rassismus und Ausgrenzung geführt werden. Rechtsextremismus, Rassismus und Sexismus sind Denk-, und Handlungssysteme, die sich in allen Teilen der heutigen Gesellschaften finden, so auch in den deutschen und zugewanderten Communities.

Nächstes Cafe am 15.02.17

Los geht es wie immer um 19:00 Uhr und um 19:30 Uhr beginnt der Vortrag.

Syriza – Etwas besseres als Sachzwang?!

Dilemmata emanzipatorischer Praxis in Zeiten der Krise
Vortrag und Diskussion mit John Malamatinas und Jorge Puleaux

Vor nur anderthalb Jahren feierte ein breites Spektrum der europäischen Linken euphorisch den Wahlerfolg von Syriza. Man erwartete Politisierungen auch über Griechenland hinaus, denn die Chancen für Kapitalismuskritik schienen kaum je besser zu stehen. Umso nüchterner bilanziert der Publizist und Aktivist John Malamatinas nach der Wiederwahl von Alexis Tsipras: „Wer in kurzer Zeit die Macht ergreifen möchte, um die Gesellschaft zu verändern, verändert hauptsächlich sich selbst. Das ist kein Affront gegen Syriza-Anhänger, sondern die Realität des politischen Geschäfts.“ Zugleich habe ja auch niemand „eine direkte Einführung des Sozialismus erwartet. Wer Syriza wählte, wusste, was er bekommt: die Hoffnung auf eine sozialere Verwaltung der Krise“. Der Hoffnungsträger Tsipras wurde nach dem Kurswechsel seines Bündnisses selbst zum Verwalter von Sachzwängen.
Die Zeit der breiten sozialen Bewegung scheint in Griechenland vorbei. Auch die von vielen gepriesene Selbstorganisierung erreicht ihre Grenzen. Zu diskutieren ist, welche Lehren aus der griechischen Tragödie auch für eine linksradikale Praxis hierzulande gezogen werden können.
John Malamatians und Jorge Puleaux werden versuchen die aktuellen Dilemmata linksradikaler Politik in Griechenland vorzustellen. Sie sind auf der Suche nach emanzipatorischen Potenzialen staatsferner Bewegungen und kritisieren nationalistische Formen der Krisenbearbeitung.

Nächstes Café am 18.01.2017

Los geht es wie immer um 19:00 Uhr und um 19:30 Uhr beginnt der Vortrag.

„Schwule Fotzen!?“ Sexismus, Homophobie und elbstermächtigung im Fußball

Obwohl Gleichberechtigung heute kein Fremdwort mehr ist, viele Frauen und Queers ihren Platz im Stadion scheinbar gefunden haben, zeigt sich oft genug ein anderes Bild: Der Vortrag wird sich anhand verschiedener Beispiele mit der Problematik von Sexismus und Homophobie im Fußball- und Stadionkontext beschäftigen. Es wird den Fragen nachgegangen, in welcher Form Frauen an unterschiedlichsten Standpunkten mit Vorurteilen und Abwertungen begegnet wird, wie und warum aber auch gegnerischen Fans, Teams oder Schiris gerne sexistische und homophobe Sprüche an den Kopf geknallt werden. Was das alles mit gesellschaftlichen Bildern von Geschlecht zu tun hat und welche Möglichkeiten Fans bereits gefunden haben, um Beleidigungen, Abwertungen und einem unangenehmen Klima entgegenzuwirken, wird an diesem Abend herausgearbeitet

Nächstes Café am 21. Dezember

Los geht es wie immer um 19:00 Uhr und um 19:30 Uhr beginnt der Vortrag.

Kritik am Militarismus – am Beispiel der NATO

Staaten schlagen und vertragen sich, und der Zusammenschluss mehrerer zu einem Militärbündnis spiegelt beides wieder. Die NATO, das nordatlantische Verteidigungsbündnis, entstand unter einer anderen Gemengelage als der heutigen. Zunächst als gemeinsame Verteidigung gegen ein sich postnazistisch möglicherweise wieder gegen seine Nachbarn erhebendes Deutschland gegründet, war die NATO bald schon nicht mehr wiederzuerkennen. Ihre neue Rolle als Bündnis gegen den Ostblock brachte eine schnelle Mitgliedschaft Deutschlands mit sich, das nun in den gemeinsamen westlichen Machtblock militärisch integriert wurde.
Doch welchen Sinn hat die NATO heute, nach dem Nierdergang der UdSSR? Kann überhaupt von einem westlichen Block mit einheitlichen Interessen gesprochen werden, der mit Hilfe der NATO militärisch abgesichert ist? Immer wiederkehrende Konflikte zwischen gerade deutscher und USamerikanischer Geopolitik treten auch im Bündnis zutage. Und was taugt dieses Bündnis im Kampf gegen den Jihadismus, der sich nicht an Staatsgrenzen orientiert?
Die PR der NATO-Staaten bleibt militaristisch. Antworten auf unsere Fragen können wir von ihr nicht erwarten. Und auch wenn sich die Form und Bewerbung des Militarismus wandelt, bleibt er dem Staat eingeschrieben. Wir wollen aufzeigen, dass Militarismus und Großmachtstreben den Staaten auch heute nicht abzutrennen sind.

Nächstes Café am 16.November

Los geht es wie immer um 19:00 Uhr und um 19:30 Uhr beginnt der Vortrag.

Eine Frage des Respekts: Zum Umgang staatlicher Institutionen, Medien und Gesellschaft mit den NSU-Mordopfern, den Hinterbliebenen und den Verletzten

Vortrag und Diskussion mit Kutlu Yurtseven

Kutlu Yurtseven ist tagsüber als Sozialarbeiter in Problembezirken unterwegs, abends steht er auf der Theater-Bühne in Stücken über die Terroranschläge des Nationalsozialtischen Untergrund oder er tritt mit seiner Band Microphone Mafia mit der Familie Bejarano auf. Kutlu Yurtseven war vor zehn Jahren Anwohner der Keupstraße und erzählt über den Anschlag, die Ermittlungen und die Folgen. Er erzählt über die damaligen Geschehnisse in Köln und den Rassistischen Terror des NSU. Wie sind die Ermittlungsbehörden, die Medien und die Politik in der Folge des Nagelbomben-Anschlages in Köln mit den Anwohner_innen umgegangen? Welche Folgen hatte und hat das für die Betroffenen und für die gesamte Community? Was für Wünsche, Hoffnungen und Ängste verbinden die Menschen aus der Keupstrasse nicht nur mit dem Prozess in München? Außerdem wird Kutlu etwas über die Arbeit der Initiative “Keupstraße ist überall” und wie der sogenannte “Tag X” in München sich auf die Keupstraße, die Betroffenen und auf die gemeinsame Arbeit auswirkt hat, erzählen.