Nächstes Café am 20.12.17

Los geht es wie immer um 19:00 Uhr und um 19:30 Uhr beginnt der Vortrag.

Postkölnialismus
Der Diskurs um Geflüchtete und sexualisierte Gewalt.

Silvester in Köln 2015/16 gilt als Zäsur. Die Übergriffe auf Frauen auf der Domplatte gingen durch alle Medien und um die Welt. Spätestens seitdem ist die Diskussion um Flucht untrennbar mit der Diskussion um sexualisierte Gewalt verbunden. Die Polizeistatistiken sprechen eine andere Sprache. Es gibt nicht mehr Übergriffe von Geflüchteten als aus dem Rest der Gesellschaft. Was bedeutet das für den Alltag? Was sind die politischen Dimensionen dieser Debatte? Und müssen wir vielleicht doch über Sexualität sprechen.

Dr. Mithu Sanyal, Kulturwissenschaftlerin, Journalistin und Autorin

Nächstes Café am 15. November 2017

Los geht es wie immer um 19:00 Uhr und um 19:30 Uhr beginnt der Vortrag.

Freiheit oder Barbarei – Plädoyer für eine politische Lösung des Türkei-Kurdistan-Konfliktes

Vortrag und Diskussion mit Roland Röder (Aktion 3. Welt Saar)

Die Türkei nimmt für Deutschland seit der Bismarckzeit und seit der türkischen Staatsgründung im Umfeld des 1. Weltkrieges eine zentrale geostrategische Rolle ein. Daraus resultiert deren politische wie militärische Unterstützung. Seit den 60er Jahren kam es zu einer Migration türkischer und kurdischer „Gastarbeiter“ nach Deutschland und seit dem Militärputsch von 1980 und dem Kampf der kurdischen Arbeiterpartei PKK um mehr Rechte für Kurden kommen Flüchtlinge aus der Türkei.
Als der IS im Kampf um die nordsyrische kurdische Stadt Kobâne im Februar 2015 seine erste militärische Niederlage erlitt, stand die bis dahin auch in Deutschland seit 1993 verbotene PKK und die mit ihr verbündete syrisch-kurdische Partei PYD (Partei der Demokratischen Union) im Mittelpunkt. Sie waren es die, unterstützt von den USA, den IS besiegten und zuvor tausende Yesiden im irakischen Sindschar Gebirge aus den Klauen des IS befreiten.

Die kurdische Seite hat der Türkei in den letzten 20 Jahren Vorschläge für eine politische Lösung gemacht und Zeitungen, TV Stationen und Parteien gegründet. Die Antwort der Türkei: Bomben, Liquidationen von KurdInnen, Zerstörung von über 3000 kurdischen Dörfern, Verbot von Zeitungen, TV Stationen und von kurdischen Parteien. Nur zwischen 2012-2015 verhandelte die türkische Regierung mit der PKK und deren Vorsitzenden Abdullah Öcalan. Sie brach die Verhandlungen ab, nachdem die PKK im Kampf gegen den IS erfolgreich war.

Der Vortrag diskutiert das schwierige Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei, die Rolle der PKK im Kampf gegen den IS und benennt Möglichkeiten für eine politische Lösung des Kurdistan-Konfliktes jenseits einer neuen Staatsgründung und unter Einschluss der PKK. Er beschreibt, was die deutsche Parteipolitik aber auch was deutsche und kurdische NGOs jenseits einer ethnischen Orientierung dazu beitragen können.

Nächstes Café am 18. Oktober 2017

Ab 19:00 Uhr gibt es wie immer leckere kalte Getränke und nette Gespräche an der Theke, der Vortrag beginnt um 19:30 Uhr.

„Reichsbürger“ – Verschwörungsideologie mit deutscher Spezifik

Vortrag und Diskussion mit einer Referentin der Amadeu Antonio Stiftung

Nicht erst seit dem Polizistenmord von Georgensgmünd aus dem Jahr 2016 beschäftigen Menschen aus dem Milieu der „Reichsbürger“, „Selbstverwalter“ und „Souveränisten“ Behörden und Verwaltungen. Zunehmend wird einer breiten Öffentlichkeit deutlich, welche Gefahren von diesem bisweilen als „Spinner“ verharmlosten Milieu ausgehen. Kern der Vorstellungswelt dieser Menschen ist der Mythos einer Weltverschwörung gegen die Deutschen, als dessen Ausdruck unter anderen („Lügenpresse“, George Soros) die Bundesrepublik Deutschland (BRD GmbH) wahrgenommen wird.

Der Vortrag gibt Auskunft über die historischen Ursprünge dieses heterogenen Milieus, seine Ideologie und Handlungsformen sowie Handlungsoptionen für zivilgesellschaftliche Gegenwehr.

Nächstes Café am 20. September 2017

Ab 19:00 Uhr gibt es wie immer leckere kalte Getränke und nette Gespräche an der Theke, der Vortrag beginnt um 19:30 Uhr!

Der Kronstadtaufstand 1921

Vortrag und Diskussion mit Ewgeniy Kasakow (Uni Bremen)

Der Aufstand der Besatzung der Militärfestung Kronstadt gegen die
bolschewistische Führung in März 1921 und ihre Niederschlagung ist bis heute einer der umstrittensten Ereignisse der Russischen Revolution.
Ein Teil der Linken sah und sieht daran eine der letzten Regungen der Konterrevolution, den anderen gilt es als ein Versuch den Räten zu wirklicher Macht zu verhelfen, einen besseren Sozialismus umzusetzen und die Herrschaft der Bürokratie abzuschütteln.Für die Kritik an der sowjetischen Sozialismusmodell spielte die Debatte um Kronstadt eine außerordentliche Rolle.

Bei der Veranstaltung sollen nicht nur die Vorgeschichte, die Forderungen und der Ablauf des Aufstandes geschildert, sondern die Entwicklung der innerlinken Auseinandersetzungen skizziert werden. Anhand nach der Ende der Sowjetunion zugänglich gewordener Quellen wollen wir prüfen, was an den Vorstellungen von Kritikern und Verteidigern des Aufstandes dran ist.

Nächstes Cafe am 16. August 2017

Ab 19:00 Uhr gibt es wie immer leckere kalte Getränke und nette Gespräche an der Theke, der Vortrag beginnt um 19:30 Uhr!

Friedensbewegung von rechts?

Ein Gespenst geht um in Deutschland, eine Friedensbewegung von “rechts”. Die AFD warnt vor einer “Kriegstreiberei” gegen Russland, “Montagsmahnwachen” versammeln ein Spektrum ohne Berührungsängste mit Verschwörungstheoretikern und Rechten. Die Publikationen aus diesem Spektrum sind Bestseller. Autoren wie Dr. Daniele Ganser füllen ganze Hörsäle.

Das bleibt nicht ohne Eindruck. Unter der Parole “Stopp Ramstein” sucht Mancher aus dem Spektrum der “traditionellen Friedensbewegung” den Schulterschluss. Wer meint, “ohne deutliche Abgrenzung nach rechts geht Friedensbewegung nicht”, handelt sich den Vorwurf ein sektiererisch zu sein. Auch ideologisch gibt es Annäherungen: die “Souveränität der Staaten” sehen die einen durch ein “Imperium USA” bedroht, das sich nicht ans Völkerrecht hält, die anderen durch offene Grenzen und Zuwanderung.

Über “falsche Friedensfreunde” und die Notwendigkeit einer linken Antikriegspolitik diskutieren wir am 16.8.2017 ab 19.00 Uhr im AZ mit Wilhelm Achelpöhler, Mitglied der “Friedensinitiative Pulverturm” aus Münster und Autor u.a. bei “Analyse und Kritik”.

Nächstes Café am 19. Juli

Los geht es wie immer um 19:00 Uhr und um 19:30 Uhr beginnt der Vortrag.

Rechtspopulismus – Konformistische Rebellion der verunsicherten Mitte

Vortrag und Diskussion mit Jens Benicke

In den letzten Jahren haben sog. rechtspopulistische Parteien und Bewegungen einen scheinbar unaufhaltbaren Aufstieg erlebt. In zahlreichen Ländern, wie Russland, Ungarn, Polen, der Türkei und den USA konnten sie die Regierung übernehmen. In Frankreich und den Niederlanden wurde dies nur knapp verfehlt. Großbritannien wurde durch eine aggressive Kampagne gegen Migrantinnen und Migranten in den Austritt aus der EU getrieben und auch hierzulande können die sog. „Alternative für Deutschland“ und PEGIDA die öffentliche Debatte über Flucht und Migration bestimmen und die etablierten Parteien vor sich hertreiben.
Doch wie lässt sich diese globale autoritäre Entwicklung analytisch fassen? Ist der Begriff des Rechtspopulismus dafür überhaupt tauglich? Oder verharmlost er diese Erscheinungen? Müsste nicht eher von Autoritarismus, Rechtsextremismus oder gar Faschismus gesprochen werden?
Ziel des Vortrages ist es, einige Erklärungen für den aktuellen Erfolg des Rechtspopulismus zu liefern. Dabei soll gezeigt werden, welche Bedeutung die globale Krise für den Vormarsch der rechten Parteien und Bewegungen hat. Denn die durch die Krise ausgelösten Abstiegsängste und Unsicherheiten setzen in der „verunsicherten Mitte“ der Gesellschaft ein autoritäres Potenzial frei, das die Basis bildet für den Aufstieg des Rechtspopulismus. Unter Rückgriff auf die Theorie des autoritären Charakters soll aufgezeigt werden, wie die bislang unterdrückten und nur im privaten Umfeld geäußerten Ressentiments nun öffentlich artikuliert werden können. Aus dem Meckern am Stammtisch wird so eine konformistische Rebellion der autoritären Persönlichkeiten auf den öffentlichen Plätzen, in der Wahlkabine und im Parlament.

Es spricht Jens Benicke, von dem 2016 die 2. Auflage von „Autorität & Charakter“ bei Springer VS erschienen ist.

Nächstes Cafe 21. Juni

Los geht es wie immer um 19:00 Uhr und um 19:30 Uhr beginnt der Vortrag.

Kritik der Anthroposophie und Waldorfpädagogik

Hautcreme für Babypopos von Weleda, biologisch-dynamische Karotten der Marke Demeter, Rudolf-Steiner-Brot im Naturkostladen und die Waldorfschule basieren auf der Anthroposophie. Der Journalist Peter Bierl beschäftigt sich in seinem Vortrag mit dieser okkulten Weltanschauung und ihrem Gründer Rudolf Steiner. Der Mann präsentierte sich als Hellseher und wurde von Anhängern als „Menschheitsführer“ und Wiedergeburt von Aristoteles verehrt. Steiner war überzeugt, dass nur die „weiße Rasse“ am Geiste schafft, während Schwarze überhitzte Triebwesen seien und Juden zersetzend wirkten. In der Welt der Anthroposophen spuken Engel und Dämonen, Volks- und Rassengeister, finden sich Versatzstücke aus Buddhismus, Hinduismus und Christentum mit Darwinismus und Kulturpessimismus. Heute erklären Anthroposophen die Reaktorkatastrophe in Fukushima als karmischen Ausgleich. Solche bizarren Vorstellungen prägen sowohl die Waldorfschule, ihre Grundlage ist die Idee von Reinkarnation und Karma. Lehrer werden nach den Ideen Steiners ausgebildet. In einem Buch, das zur Unterrichtsvorbereitung empfohlen wurde, heißt es: „Der Keim zum Genie ist der arischen Rasse bereits in ihre atlantische Wiege gelegt worden.“

Peter Bierl ist freier Journalist und lebt in der Nähe von München. Er schreibt u.a. für Konkret, Jungle World und Rechter Rand. Er ist Autor von „Grüne Braune: Umwelt-, Tier- und Heimatschutz von rechts“ (Unrast-Verlag 2014), „Schwundgeld, Freiwirtschaft und Rassenwahn. Kapitalismuskritik von rechts: Der Fall Silvio Gesell“ (Konkret-Verlag, 2012) sowie „Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister. Die Anthroposophie Rudolf Steiners und die Waldorfpädagogik“ (Konkret, 2005)

Nächstes Café am 17. Mai

Los geht’s um 19.00 Uhr im AZ Mülheim. Wie immer kostenlos und offen für alle!

Anarchafeministinnen: Die Mujeres Libres im Spanischen Bürgerkrieg.
Vortrag von Vera Bianchi mit Diskussion

Die Gruppe „Mujeres Libres“ (Freie Frauen) wurde im April 1936, also drei Monate vor Beginn des Spanischen Bürgerkriegs, gegründet. Durch den in der CNT herrschenden Sexismus enttäuscht, kamen die Gründerinnen zu der Überzeugung, dass es zumindest temporär notwendig sei, sich in einer Frauengruppe zu organisieren. Mit der Gruppe verfolgten sie zwei Ziele: „captación“ – Frauen für die anarchistische Bewegung zu begeistern und zu gewinnen – und „capacitación“ – die Befähigung (Bildung und Ausbildung) der Frauen. Dadurch sollten die Frauen wirtschaftlich unabhängig werden – als Grundlage für die geistige Emanzipation. Nach den Mujeres Libres befand sich die Frau in einer dreifachen Sklaverei: als Arbeiterin, als Hausfrau und Mutter und als Unwissende. Während des Spanischen Bürgerkriegs (18.7.1936-1.4.1939) wuchs die Gruppe auf ungefähr 20.000 Mitglieder in über 160 Ortsgruppen an und unterstützte die republikanische Seite auf vielfältige Weise: sowohl als Kämpferinnen an der Front als auch im Hinterland durch Organisierung von Bildungs- und Ausbildungskursen, Kindergärten und Volksspeiseräumen. Die Mujeres Libres hielten die soziale Revolution nur für machbar durch die Verbindung von Anarchismus und Feminismus.

Nächstes Café am 19.04.2017

Los geht es wie immer um 19:00 Uhr und um 19:30 Uhr beginnt der Vortrag.

Die AfD vor der nordrhein-westfälischen Landtagswahl – ein Überblick über das Wirken und Innenleben einer rechtspopulistischen Partei

Vortrag und Diskussion mit Rainer Roeser

Nach der Landtagswahl im kommenden Mai könnten zwischen 20 und 30 Abgeordnete der AfD im Düsseldorfer Landesparlament sitzen. Bei ihrer Gründung vor dreieinhalb Jahren war die selbst ernannte „Alternative für Deutschland“ eine gesellschaftspolitisch konservative und wirtschaftspolitisch neoliberale Partei, die sich zwar rechtspopulistischer Argumentationsweisen bediente, ohne dass dies aber das bestimmende Element der Partei war. Inzwischen ist die AfD zur durchgehend rechtspopulistischen Partei geworden, die ihr Gründungsthema, den Kampf gegen den Euro, längst ergänzt und ersetzt hat durch Parolen gegen Geflüchtete, gegen Islam und gegen eine supranationale Politik. Inzwischen sucht und findet sie die Zusammenarbeit mit extrem rechten Formationen wie der „Freiheitlichen Partei Österreichs“ oder dem „französischen Front National“.

Wer sind die Akteur_innen, die die Rechtsentwicklung der AfD vorangetrieben haben? Und wie ist die stetig weiter nach rechts gedriftete AfD einen Monat vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen aufgestellt?

Rainer Roeser ist freier Journalist und Autor beim „blick nach rechts“ (www.bnr.de). Er hat an mehreren Studien zum Thema AfD mitgearbeitet.