Programm, Archiv & Mitschnitte

Im Rahmen des Offenen Antifa-Cafés organisieren wir regelmäßig Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen. Das Café öffnet um 19.00 Uhr, die Vorträge beginnen jeweils um 19.30 Uhr.

 

17. August 2016: Die Rote Ruhr-Armee

Ankündigungstext folgt

Mit Günter Gleising

 

20. Juli 2016:Kapitalismus, Krise, Behinderung: Ein Streifzug durch die (deutsche) Geschichte

Auf den ersten Blick scheinen Kapitalismus und Behindertenpolitik nicht viel miteinander zu tun zu haben, gibt es doch z.B. in der deutschen Geschichte erhebliche Unterschiede im Umgang mit Behinderung bei wesentlich gleichbleibenden wirtschaftlichen Grundlagen. Ein Zusammenhang wird allerdings deutlich, sobald man „Kapitalismus“ als einen dynamischen Prozess versteht: Dessen Konjunkturen gehen mit gesellschaftlichen Konflikten einher, die auch der Behindertenemanzipation Möglichkeiten eröffnen und Grenzen setzen. Ein Streifzug durch die deutsche Geschichte von der Weimarer Republik bis zur europäischen Austeritätspolitik unserer Tage soll diesen Zusammenhang zeigen. Dabei wird versucht, die zunehmende Verbreitung bestimmter Ideologien (z.B. im Sinne von „Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“) aus Veränderungen der sogenannten ökonomischen Basis zu erklären.

Michael Zander ist Mitglied der AG Disability Studies in Deutschland und vertritt derzeit eine Professur im Fach Rehabilitationspsychologie an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Letzte Veröffentlichung: „We care“ – aber wer sind „wir“? Luxemburg, 1/2016, http://www.zeitschrift-luxemburg.de/we-care-aber-wer-sind-wir/    

 

15. Juni 2016: Deutschland alternativlos? Fragen zu AfD, Ideologie und Klassenkampf

Die AfD – alles Nazis? Pöbel aus dem Osten? Dummenfang abgehalfterter West-Politveteranen und gescheiterter Kleinunternehmer? Politischer Arm der Bereitschaftspolizei? Einlösung des antideutschen Versprechens? Der Kater nach dem soundsovielten Sommermärchen? Keine Alternative? Und wozu? Wer ist denn dieser Nationalismus überhaupt? Und wer hat denn überhaupt was dagegen? Gab’s das nicht alles schon mal? Und wo ist eigentlich diese Arbeiterbewegung, wenn sie mal gebraucht wird? Bei denen? Oder fragt die sich, wo wir bleiben?

Als Vor-Ort-Beobachter in Sachsen-Anhalt will Autor und Musiker Daniel Kulla („Hass allein genügt nicht mehr“) etwas Unordnung in die Gewißheiten bringen und dazu anregen, die verdammt ernste Lage jenseits von Bekenntnis und innerlinker Konkurrenz wirklich ernst zu nehmen.

Mit Daniel Kulla

 

18. Mai 2016:„Die gefährlichste Frau Amerikas“: Emma Goldman

Vor 75 Jahren, am 14. Mai 1940, starb Emma Goldman und hinterließ ihren einmaligen Reichtum an gelebter Erfahrung und Theorie. Nicht bloß als Zuschauerin, sondern als scharfe Beobachterin und kämpferische Anarchistin bewegte Goldman sich in einer Zeit, als Europa, Asien und Amerika von Wellen der Revolution und Reaktion erschüttert wurden. Ihr Leben zwischen diesen Zentren war immer wieder eines auf der Flucht: vor antisemitischen Pogromen, vor politischer Verfolgung und staatlichem Terror. Die Erfahrungen in den Kämpfen der US-Amerikanischen TextilarbeiterInnen brachten Goldman zu ihren Vorstellungen vom freiheitlichen Sozialismus, und entsprechend wurde sie zur bekannten Aktivistin und Agitatorin der ArbeiterInnenbewegung. Dies brachte ihr sowohl eine große Anhängerschaft als auch Repression ein, was zu mehreren Gefängnisaufenthalten führte. Später verlagerte Goldman ihren Schwerpunkt auf andere Kampffelder. Ihre Positionen zu Militarismus, Nationalismus, Religion, Feminismus und Familie sind bis heute herausfordernd und eigenständig. Befreiende Momente suchte sie nicht in Parteien und auch nicht in der Masse, sondern im kreativen Potential, das erst noch von den gemeinschaftlich handelnden Individuen zu erschaffen ist.

Ihre provozierenden Thesen werden vorgestellt, im Zusammenhang mit Goldmans Biographie. Denn ihr Leben folgte dem von ihr selbst formulierten Grundsatz, „dass die Wahrheit, wenn sie einmal erkannt wurde, auch gelebt werden muss und ihr Wesen nicht nur theoretisiert werden darf“.

Mit Rudolf Mühland

Audio-Mitschnitt des Vortrags (MP3, 58 Minuten, 13 MB)

 

20. April 2016: Religionskritik als Entzifferung menschlicher Projektionen

Das Zeitalter der „Aufklärung“ ist längst Geschichte, und doch sind die „Fundamentalisten“ in den „Weltreligionen“ auf dem Vormarsch. Wenn auch die Masse der Gläubigen der großen Weltreligionen nicht mehr allzu viel glaubt, entwickelt eine Vielzahl von Menschen doch religiöse oder spirituelle Bedürfnisse und lebt sie verschiedenartig aus. Mit dem deutschen Philosophen und Hegel-Schüler Ludwig Feuerbach kam es zu einer wichtigen Änderung in den religionskritischen Argumentationsmustern. Es ging von da an nicht mehr um die Wahrheit oder Unwahrheit von Offenbarungen oder Dogmen, sondern um die Entzifferung ihres menschlichen Sinns. Marx hat diese neue Religionskritik umgemünzt in die Kritik einer unmenschlichen gesellschaftlichen Wirklichkeit, Freud hat sie aufgegriffen für die Heilung seelischer Leiden.

Das Eintreten für die konsequente Trennung von Kirche und Staat und für säkulare politische Institutionen ist nur die halbe Miete. Indirekt und unbewusst ist religiöses Bewusstsein immer auch der Protest gegen eine unmenschliche gesellschaftliche Wirklichkeit. Darum stellt sich die Frage, wie dieses Potenzial in einem emanzipatorischen Sinne mobilisiert und gegen dem Faschismus vergleichbare irrationale und unmenschliche Ideologien gewendet werden kann.

Manuel Kellner hat in seiner Einführung in die „Kritik der Religion und Esoterik. Außer sich sein und zu sich kommen“ (in der theorie.org-Reihe des Schmetterling Verlags) diese Frage gestellt. Er wird mit uns darüber diskutieren und einleitend zeigen, woran die religionskritischen Ansätze kranken, die hinter Feuerbach, Marx und Freud zurückfallen.

Audio-Mitschnitt des Vortrags (MP3, 50 Minuten, 12 MB)

 

16. März 2016: Zauberei und Herrschaft – Zur Ideologie der Harry Potter-Romane

Rowlings Heptalogie, die davon erzählt, wie der Waisenjunge Harry erfährt, dass er ein Zauberer ist, in das magische Internat Hogwarts aufgenommen wird und mit seinen FreundInnen gegen den Mörder seiner Eltern kämpft, hat sich als beispielloser Kassenschlager erwiesen. Nicht wenige LeserInnen der ersten Generation, die gleichzeitig mit der Hauptfigur während der Veröffentlichungen zwischen 1997 und 2007 von Band zu Band grob ein Jahr älter geworden sind, verwenden Formulierungen wie die, sie seien “mit Harry Potter aufgewachsen”, die Reihe habe sie durch ihre Kindheit und Jugend “begleitet” und sie “geprägt”. Die Harry Potter Reihe ist somit Bestandteil der Initiation in Kultur und an ihrem Erfolg kann ein Stück weit der Zeitgeist abgelesen werden.

Was wird da eigentlich so enthusiastisch gelesen? Welche Ideologien enthält dieses Artefakt der Kulturindustrie? In welchem Verhältnis stehen affirmative und kritische, reaktionäre, konservative und emanzipatorische Aspekte der Erzählung?

Basierend auf einer ideologiekritischen Analyse aus Perspektive der Kritischen Theorie Theodor W. Adornos wird in diesem Vortrag der Fokus auf die ideologischen Spannungen der Widersprüche der Erzählung gerichtet und der Frage nachgegangen, inwiefern diese Romane in ihrer spezifischen ästhetischen Formensprache reale gesellschaftliche Herrschaftsverhältnisse bestätigen, rechtfertigen, verschleiern, in Frage stellen.

Mit Melanie Babenhauserheide

 

17. Februar 2016: Antifeminismus als Scharnier zwischen extremer Rechter, Konservatismus und bürgerlichem Mainstream

In diesem Vortrag wird der organisierte Antifeminismus unter die Lupe genommen. Denn im Kampf gegen einen angeblichen „Genderismus“ oder eine befürchtete „Frühsexualisierung“ sind Allianzen entstanden, die vom konservativen Feuilleton über christlich-fundamentalistische Gruppierungen und die AfD bis zur Neonazi-Szene reichen.

Mit Christiane Ritter (Antifaschistisches Bildungsforum Rheinland)

20. Januar 2016: Der Genozid an den Herero und Nama

Gegen die koloniale Eroberung des südwestlichen Afrikas durch die Deutschen ab 1883 setzten sich die Herero und zeitweise auch die Nama besonders entschlossen zur Wehr. Vor 111 Jahren erließ die kaiserliche Kolonialarmee im damaligen „Deutsch-Südwestafrika“ den Vernichtungsbefehl gegen die He…rero. Nach der Schlacht am Waterberg 1904 wurden die Herero in die Omaheke-Steppe getrieben, wo viele von ihnen verdursteten. Die Überlebenden mussten ebenso wie gefangene Nama in – bereits damals so benannten – Konzentrationslagern Zwangsarbeit leisten; ein großer Teil von ihnen starb an Hunger und Krankheiten. Im verbleibenden Jahrzehnt deutscher Kolonialherrschaft wurden jene, die mit dem Leben davon kamen, enteignet, in Reservate gesperrt, vergewaltigt und zur Arbeit gezwungen. Deutsche Unternehmen und Farmen konnten die versklavten Menschen für ihre Arbeitseinsätze in Minen, auf Weiden und an Eisenbahnlinien „bestellen“. Zu den Opfern gehörten auch Angehörige der Damara und San. Nach Schätzungen von Experten sind 80 Prozent der Herero und die Hälfte der Nama dem Völkermord zum Opfer gefallen, also etwa 90 000 Menschen.

Im Sommer 2015 dieses Jahres benannte Bundestagspräsident Norbert Lammert die Massaker erstmals als „Völkermord“ und auch die Bundesregierung spricht, wenn auch noch nicht ganz unumwunden, von Völkermord. Die Nachfahren der Opfer erwarten eine offizielle Entschuldigung, die Rückgabe aller geraubten Gebeine und ihre sofortige Einbeziehung in die deutsch-namibischen Versöhnungsgespräche.

Die reichsdeutsche Kolonialzeit dauerte von 1884 bis zum Ersten Weltkrieg. Die Eroberung von außer-europäischen Gebieten und die Versklavung von Menschen reichen jedoch noch weiter zurück als in die scheinbar kurze Periode während der Kaiserzeit. Kaufleute und Reedereien haben viel Geld mit Palmöl, Schnaps und Baumwolle verdient. Spuren der in Deutschland verdrängten Kolonialvergangenheit lassen sich noch heute finden – in den Museen, Straßen, Köpfen und Schulbüchern. Nicht selten wird diese Epoche romantisch verklärt und die koloniale Gewalt verdrängt. Der Vortrag beleuchtet auch diese Aspekte in einem kurzen Überblick und fragt nach Deutschlands Umgang mit seiner Kolonialvergangenheit.

mit Anke Schwarzer, Journalistin

 

16. Dezember 2015: Kampf um Kobanê – Kampf um die Zukunft des Nahen Ostens

Der Kampf um Kobanê und Rojava ist eine zentrale Auseinandersetzung im Nahen und Mittleren Osten, in der alle relevanten Akteure in der einen oder anderen Weise involviert waren. Kobanê wird weiterhin die politischen Ereignisse in der Region prägen – sowohl die Beziehungen zwischen der Türkei und der PKK als auch den Bürgerkrieg in Syrien. Der Konflikt bietet Anlass, zentrale linke Auseinandersetzungen neu aufzugreifen – wie etwa die Frage nach Gewalt als Mittel der Politik und nach dem Entwurf einer neuen Gesellschaftsordnung. Anders gesagt: Lässt sich eine Revolution durch Krieg verteidigen oder ist eine militärische Auseinandersetzung der Tod für jegliches emanzipatorisches Projekt?

Mit Ismail Küpeli

18. November 2015: „dabei geblieben“ – Aktivist_innen erzählen vom Älterwerden und Weiterkämpfen

Seit Jahrzehnten ist die Linke in Deutschland vornehmlich eine Jugendbewegung. Spätestens Anfang 30 steigen die meisten aus. Was aber ist mit denen, die »dabei geblieben« sind? In knapp 30 Interviews geht Rehzi Malzahn der Frage auf den Grund, was diejenigen Aktivis_innen bewegt, die auch mit Mitte 40, 50, 60 noch auf die Straße gehen, Aktionen planen oder auf vielen anderen Wegen ihre radikale Kritik an den Verhältnissen ausdrücken.

Die Interviewten gehören verschiedenen linken Bewegungen an. Sie blicken auf ihr Leben und erzählen, wie alles angefangen hat, woran sie verzweifelt sind, was sie ermutigt oder wie sie mit Frust umgehen. Sind Job und Familie wirklich Gründe, um den Einsatz für eine radikal andere, bessere Welt aufzugeben – oder sind das nur vorgeschobene Gründe an einem Punkt, wo man von vielen Fragen nicht mehr berührt wird? Ein Destillat ihrer Erkenntnisse aus den Gesprächen gibt die Autorin den Leser_innen in der Einleitung mit auf den Weg.

Ein Buch für alle Generationen und Lebenswege: Wer auch noch ›dabei ist‹, liest, wie es den Anderen damit geht. Wer ausgestiegen ist, erfährt etwas über das Leben, für das er_sie sich nicht entschieden hat. Wer ›dabei bleiben‹ will, findet Anregungen dazu. Wer Pause macht, kann über die Bedingungen des Aktivseins reflektieren, und wer nie ›dabei war‹, bekommt einen Einblick in das Leben derjenigen, für die der Kampf um eine bessere Welt eng mit dem eigenen Dasein verknüpft ist.

21. Oktober 2015: Umgang mit Repression

Ein Vortrag zu den Themen Datensicherheit und – Vermeidung, Aktionsvorbereitung, und das Verhalten, wenn`s die Staatsanwaltschaft und Polizei aktiv wird.
In letzter Zeit kam es wieder vermehrt zu Aktionen, bei denen die Polizei eingriff. Dabei waren mit Blockaden von Abschiebungen und Besetzungen von Geschäftsräumen eher untypische Aktionsformen dabei, die auch über das Ordnungsrecht bei Versammlungen weit hinaus geht. Wir werden neben dem Verhalten gegenüber den Repressionsorganen auch auf die für solche Aktionen speziellen rechtlichen Hintergründe aufklären und auch nochmal die Standards von einer sicheren politischen Gruppenarbeit thematisieren.

 

16. September 2015: Genderbashing. Diskriminierung und Gewalt an den Grenzen der Zweigeschlechtlichkeit

Neue‹ Existenzweisen der Geschlechter wie z.B. Transgender, Intersexuelle, Transsexuelle und Crossdresser*innen sind längst Alltag. Was bedeutet es, wenn geschlechtlich nonkonforme Personen von massiven Gewalt- und Diskriminierungswiderfahrnissen berichten, die gesellschaftlich unbekannt und/oder nicht anerkannt werden?
Die vorliegende Studie befasst sich mit dieser Leerstelle der Gewaltforschung. Geschlechtlich nonkonforme Personen, die sich selbst beispielsweise als ›Transgender‹, ›Interqueer‹, ›Queerer Transboy‹, ›Lesbian Boy‹, ›Transfrau‹, ›Transmann‹ oder ›Butch‹ verorten, berichteten in 18 qualitativen Interviews und in einer Gruppendiskussion von ihren Gewalt- und Diskriminierungswiderfahrnissen.

Mit Ines Pohlkamp

19. August 2015: Kritik des Antiamerikanismus: Hass, Neid, Wahn – Antiamerikanismus in den deutschen Medien

Wildwestgebaren, Raubtierkapitalismus, Hollywoodschund – die Klage über vermeintlich typisch amerikanische Zustände ist in Deutschland verbreitet. Tobias Jaecker fragt nach den Ursachen, der Funktionsweise und den Auswirkungen des Antiamerikanismus. Er untersucht dazu mediale Kontroversen aus Politik, Wirtschaft und Kultur: von 9/11 über Obama bis zur Finanzkrise. Im Mittelpunkt der Analysen stehen die alltäglichen stereotypen Bilder, die in Zeitungsartikeln, Filmen und Popsongs, aber auch auf Zeitschriftencovern und in Karikaturen zum Vorschein kommen. Das Ergebnis führt eindringlich vor Augen, dass der Antiamerikanismus im 21. Jahrhundert als Welterklärungsmuster dient, um gesellschaftliche Umbrüche und Missstände scheinbar schlüssig zu deuten. Er kann sich so zu einer gefährlichen Ideologie verdichten.

Mit Tobias Jäcker

15. Juli 2015: Graffiti & Street Art als eine Form der Aneignung des öffentlichen Raumes

Wie werden Konflikte um den öffentlichen Raum in diesem kommuniziert? Welche Strategien der Raumaneignung verfolgen Protestbewegungen? Wie positionieren sich KünstlerInnen und GestalterInnen in der Stadtpolitik?

In vielen westlichen Metropolen bestimmen seit einigen Jahren Themen wie die Privatisierung öffentlicher Flächen, explosionsartig steigende Mieten, Prozesse der Verdrängung aus der Innenstadt und die Forderung nach Partizipation die politische Tagesordnung.

Was hat städtisches Gärtnern mit dem Aufstand illegalisierter MigrantInnen zu tun? Urban Art und Spruch – Graffiti, MediaSpree, Kotti und Co, Wilde Plakate, Kampf gegen Werbung, MietProteste, Name-Writing und Hausbesetzer-Bewegung… Am Beispiel Berlins werden aktuelle stadtpolitische Protestbewegungen vorgestellt, die auf unterschiedliche Art und Weise ein „Recht auf Stadt“ einfordern. Erklärt werden die Strategien der Raumaneignung dieser Bewegungen und untersucht, welche Rolle Kunst, Gestaltung und Kartographie darin spielen. Ein Fokus liegt in diesem Vortrag auf Graffiti/Street Art im Kontext der Auseinandersetzungen um die Stadtentwicklung Berlins.

Pappsatt ist ein Kunst- und Medien – Kollektiv, das an der Schnittstelle zwischen linker (Stadt-)Politik und Gestaltung arbeitet. Es ist Teil des Urban Art Netzwerks „Reclaim Your City“ und Mitbetreiber der gleichnamigen Website www.reclaimyourcity.net. Das Kollektiv agiert im Kontext der künstlerischen und politischen Initiativen, die eine Stadt für alle fordern und aufbauen.

 

17. Juni 2015: Die Identitäre Bewegung – Ein Überblick

Im Herbst 2012 tauchte mit der Identitären Bewegung (IB) in Deutschland eine neue extrem rechte Gruppierung auf. Die IB inszeniert sich als aktionistische ‚Jugendbewegung‘ und machte bisher durch kleinere flashmobartige Aktionen, Plakate oder Aufkleber, vor allem aber durch ihre Selbstdarstellung im Internet auf sich aufmerksam. Nicht links und nicht rechts, sondern eben ‚identitär‘ wolle man laut eigener Aussage sein, von ‚klassischen‘, neonazistischen Gruppierungen möchte sich die IB durch ihr Auftreten und ihre Argumentation abheben. Dass diese vorgebliche Distanzierung von extrem rechter Ideologie wenig überzeugend ist, legt ein Blick auf die vermittelten Inhalte offen. Die Identitären transportieren völkische und rassistische Gesellschaftsvorstellungen und orientieren sich dabei maßgeblich an der Ideenwelt und den Strategien der sogenannten ‚Neuen Rechten‘. Sie beziehen sich affirmativ auf das Konzept des ‚Ethnolpuralismus‘ und auf die durch die ‚Neue Rechte‘ proklamierte Strategie der ‚Metapolitik‘, die das Ziel einer Diskursbeeinflussung von rechts verfolgt. Entsprechend wohlwollend wurde die IB seit ihrem Auftauchen auch von einschlägigen Akteur_innen des neurechten Spektrums rezipiert.

Den Anspruch, die Dynamik einer rechten ‚Jugendbewegung‘ zu entwickeln, hat die Identitäre Bewegung ganz offensichtlich verfehlt. Von Anfang an ist sie weit weniger auf der Straße als vielmehr im Internet präsent gewesen, auch organisatorische Umstrukturierungen der Identitären im letzten Jahr haben an diesem Umstand wenig verändert. Verschwunden oder in Auflösung befindlich erscheint die Gruppierung deshalb allerdings nicht. So trat die Identitäre Bewegung im Zusammenhang mit Pegida-Demonstrationen in Erscheinung, Anfang April war sie als eigener Block bei einem Aufmarsch der ‚Patriotischen Europäer‘ in Dresden mit dabei. Diese durchaus gegenseitige Nähe zwischen IB und Pegida-Spektrum verwundert nicht, verschreiben sich die Identitären doch der Verteidigung der ‚europäischen‘ bzw. ‚deutschen‘ ‚Identität‘ gegen eine vermeintliche Islamisierung. Auch zwischen IB und Teilen der (Jungen) AfD fallen inhaltlichen Übereinstimmungen und personellen Überschneidungen auf.

Im Vortrag wird vor allem ein genauerer Blick auf die Netzwerke sowie die Ideenwelt der ‚Neuen Rechten‘ geworfen, welche die Identitäre Bewegung für sich übernimmt, zeitgemäß ‚verpackt‘ und so für eine junge, aktionsorientierte Zielgruppe aufbereitet. Es sollen nicht einfach die Strukturen oder Aktionen der IB abgehandelt werden, interessanter erscheint es, die IB als Beispiel für Modernisierungstendenzen in der extremen Rechten zu betrachten.

Die Referentin Laura Heinsbach ist bei der Antifaschistischen Bildungsinitiative Münsterland (ABM) aktiv.

20. Mai 2015: Ursache und Struktur der PEGIDA-Proteste — „Wir sind nicht rechts, aber…“

Seit Ende Oktober 2014 demonstrieren in Dresden jeden Montag mehrere tausend Menschen gegen eine „Islamisierung Deutschlands“. Dabei geben sie an, weder rechts, noch links zu sein, stattdessen die „schweigende Masse“ zu repräsentieren, die sich gegen „die Politik da oben“ wehre. Pegida expandierte in den kommenden Monaten, hatte jedoch in anderen Städten nicht den Erfolg wie in Dresden. In der Presse bereits als ein gescheitertes Projekt beurteilt, sieht sich Pegida weiterhin als außerparlamentarische Opposition, die nun auch das Oberbürgermeisteramt der Stadt Dresden anstrebt. Der Vortrag will die Strukturen und Ursachen und Pegida verdeutlichen sowie deren Entwicklung skizzieren.

Mit Mark Haarfeld

15. April 2015: Antifaschistische Aktion – Geschichte einer linksradikalen Bewegung

Heute sind die Doppelfahnen der »Antifaschistischen Aktion« das am häufigsten genutzte Symbol der linken Szene. Auch unter »Antifa« kann sich wohl jede_r etwas vorstellen. Schwarzer Block gleich Antifa; so vermitteln es zumindest die Medien in falscher Verkürzung. Denn die Geschichte dieser Bewegung reicht weit zurück und ist keineswegs auf Militanz zu reduzieren.

Antifaschismus wurde in Deutschland Anfang der 1920er Jahre als polemischer Kampfbegriff durch die KPD eingeführt. Verstanden wurde darunter Antikapitalismus. Erst Anfang der 1930er Jahre rückte der Kampf gegen die Nationalsozialisten mehr und mehr in den Fokus. 1932 mündete diese Entwicklung in der Gründung der Antifaschistischen Aktion.

In der BRD griffen kommunistische Gruppen in den 1970er Jahren das Emblem wieder auf. Später, von Autonomen übernommen und neu gestaltet, wurde es zum Zeichen der heutigen Antifa. Undogmatisch, radikal und systemkritisch ist Antifaschismus also von jeher viel mehr als nur ein Kampf gegen Nazis.

Dieses Buch liefert den ersten umfassenden Überblick über die Entwicklung der Antifa. Ein Grundlagenwerk für Aktivist_innen und all diejenigen, die erfahren wollen, in welcher Tradition Antifaschismus in Deutschland steht.

Mit Autor Bernd Langer

 

18. März 2015: Schule im Kapitalismus und das Missverständnis über die Chancengleichheit

Dass es in der Schule an Chancengleichheit fehlt, behauptet noch jede Schulkritik. Ge­meint ist damit, dass Kinder aus den unteren Klassen und Schichten der Gesellschaft ge­ringere Chancen haben, sich in der Schule bis zum Studium vor zu arbeiten.

Sachlich trifft das zu: Doch was hat das mit dem Unterrichtsverfahren des chancenglei­chen Leistungsvergleichs zu tun? Das steht allein für die schulische Unvernunft, das Ler­nen als vergleichendes Leistungslernen, also als Konkurrenzveranstaltung zwischen allen Schülern einer Klasse oder eines Jahrgangs zu veranstalten, dabei alle unter die gleichen schulischen Bedingungen zu setzen – und zwar rücksichtslos gegenüber all dem, was Schüler aufgrund der Erziehung im Elternhaus bereits wissen, können und zu leisten im­stande sind. Dies deswegen, weil es der Schule im Kapitalismus darauf ankommt, in ei­nem großen Bildungstest die Leistungsstärksten des Nachwuchses zu ermitteln und zwar ganz unabhängig von ihrer gesellschaftlichen Herkunft. Den Siegern werden später ge­sellschaftliche Führungsaufgaben anvertraut. Die Verlierer dürfen sich dann in den unte­ren Lohngruppen tummeln. Die Bildungspolitik hat deswegen das alte Ständeschulwesen durch die demokratische Leistungsschule ersetzt, die sich seit langem in doppelter Hin­sicht als Klassenschule erweist: Zum einen, weil sie den Nachwuchs auf die Jobs der Klassengesellschaft verteilt, zum anderen weil sich über das leistungsorientierte Vertei­lungsprinzip der Schulkonkurrenz die Klassenlage der Schüler – mit Ausnahmen – repro­duziert.

Mit angeborener Begabung hat das nichts zu tun. Auch mit Wirkungen von Sozialisation ist das nicht zu erklären. Würde man jedem Schüler und jeder Schülerin zum Lernen des Unterrichtsstoffes soviel Zeit, dazu die Mittel und Hilfestellungen einräumen, die sie je­weils benötigen, dann hätte sich die Sache mit der Chancengleichheit erledigt. Zur Aneig­nung von Wissen und Kenntnissen braucht es nämlich keine Chancen und schon gar kei­ne gleichen Chancen. Die stören nur. Dafür braucht es nur Umstände, die den individuel­len Bedingungen der Lernenden entsprechen. Aber die richtet das Schulwesen gerade nicht ein. Warum eigentlich nicht?

Mit Prof. Dr. Freerk Huisken

Audio-Mitschnitt des Vortrags (MP3, 52 Minuten, 12 MB)

 

18. Februar 2015: Obdachlosenhass und Sozialdarwinismus

Obdachlose sind die vergessenen Opfer der Gesellschaft. Sie werden von Staat und Gesellschaft ausgegrenzt und auf der Straße angegriffen. Rechte Täter_innen praktizieren gegen sie einen Sozialdarwinismus der Tat, der durch einen Sozialdarwinismus des Wortes vorbereitet wird.

Nach Angaben des Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) wurden von 1989 bis 2011 mindestens 167 wohnungslose Menschen von Täter_innen außerhalb der Wohnungslosenszene getötet. Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich sehr viel höher, da der BAGW sich auf eine systematische Presse-Auswertung stützt, es aber Fälle geben dürfte, die es nicht einmal zum Dreizeiler im Lokalteil schafften. Natürlich ist unklar, welche Motive im Einzelnen eine Rolle bei den 167 Morden spielten, aber obdachlos lebende Menschen sind eindeutig oft Objekt eines besonders ausgeprägten Hasses.

Obdachlosenfeindlichkeit ist eine Ausprägung von manifestem und latentem Sozialdarwinismus bzw. Sozialchauvinismus. Dieser Sozialdarwinismus richtet sich gegen die vermeintlichen Verlierer_innen der Konkurrenz- bzw. Leistungsgesellschaft, die in der Markthierarchie der ökonomischen Nützlichkeit ganz weit unten angesiedelt sind. Befeuert und biologisiert werden sozialdarwinistische Diskurse durch Vererbungs- und Überlegenheitstheorien wie die von Thilo Sarrazin. Der Vortrag untersucht die Gewalt gegen obdachlose Menschen in ihrer unterschiedlichen Form und will deren Ursachen benennen.

Audio-Mitschnitt des Vortrags (MP3, 90 Minuten, 21 MB)

 

21. Januar 2015: Die deutsche Linke und der lange Schatten des Stalinismus

Glaubt man den neoliberalen und neokonservativen Meinungsführern, sind Freiheit und Sozialismus nicht zu vereinen. Doch auch auf der Linken findet diese Sichtweise wieder zunehmend Anhänger. In der Beschönigung und geschichtsphilosophischen Rechtfertigung seiner Taten findet der historische Stalinismus zurzeit eine politisch-theoretische Auferstehung, das hat Christoph Jünke in seinem Buch “Der lange Schatten des Stalinismus” (Köln 2007) und anderen Aufsätzen verdeutlicht. In seinem Vortrag zeigt er am Beispiel neuerer Auseinandersetzungen um die Arbeiten von Luciano Canfora und Domenico Losurdo die Fallstricke eines unaufgeklärten linken Diskurses auf, der die vorherrschende Demokratiemündigkeit großer Teile der Gesellschaft für eine ideologische Offensive philo- und neostalinistischer Postionen nutzt, und so die politische und programmatische Erneuerung der Linken nachhaltig blockiert. Warum aber will diese Vergangenheit eigentlich nicht vergehen? Wie kann man die philo- und neostalinistischen Tendenzen verstehen und wie sollten heutige Linke mit ihnen umgehen?

Referent: Christoph Jünke lebt und arbeitet als Historiker und Publizist in Bochum. Er ist Vorsitzender der Leo Kofler-Gesellschaft e.V. und Autor von “Der lange Schatten des Stalinismus. Sozialismus und Demokratie gestern und heute” (Köln: Neuer ISP-Verlag 2007). Zuletzt erschienen von ihm „Streifzüge durch das rote 20.Jahrhundert“ (Hamburg: Laika-Verlag 2014).

Audio-Mitschnitt des Vortrags (MP3, 58 Minuten, 13 MB)

 

17. Dezember 2014: Das Kalifat der Albträume

Den Nahen Osten verstehen: Assad, der „Islamische Staat“, die Kurden und der Rest.
Ein ungemütlicher Crashkurs.

Was passiert gerade zwischen Euphrat und Tigris? Ist Kobane 2014 das Madrid von 1937? Warum schneidet der „Islamische Staat“ öffentlich Hälse durch? Wieso hat das etwas mit dem „Arabischen Frühling“ zu tun und weshalb haben jetzt alle so eine Angst vor diesem „Islamischen Staat“? Hat er wirklich die Sklaverei wieder eingeführt? Und wer bombt gerade gegen wen?

Der Referent Oliver M. Piecha ist Historiker, er schreibt regelmäßig über den Nahen Osten u.a. in der Berliner Wochenzeitung „Jungle World“, ist Mitbegründer der deutsch-irakischen Hilfsorganisation WADI und Mitarbeiter einer Kampagne gegen weibliche Genitalverstümmelung im Nahen Osten.

 

19. November 2014: Der Aufstand jüdischer Gefangener im NS-Vernichtungslager Sobibór

In Sobibór, einem nationalsozialistischen Vernichtungslager im südöstlichen Polen, wurden zwischen Mai 1942 und Oktober 1943 mindestens 170.000 Jüd_innen ermordet. In der überwältigenden Mehrheit waren es Jüd_innen aus Polen, Holland, Belarus, Russland, der Ukraine und der Slowakei. Sobibór war ein reines Vernichtungslager, die Menschen wurden nach ihrer Ankunft direkt in die Gaskammer geführt. Lediglich 550-600 Jüd_innen wurden für Arbeiten im Lager und rund um den Vernichtungsvorgang selektiert.

Am 14. Oktober 1943 kam es zu einem geplanten Aufstand innerhalb des Vernichtungslagers, bei dem mit zwei Ausnahmen alle im Lager anwesenden SS-Offiziere getötet wurden und ca. 300 Häftlinge aus dem Lager fliehen konnten. Die meisten kamen im rund um das Lager angelegten Minengürtel ums Leben, wurden bei folgenden Razzien der Deutschen gefasst, von der einheimische Bevölkerung denunziert oder von polnischen oder ukrainischen nationalistischen Partisan_innen ermordet. Etwa 60 Aufständische erlebten jedoch das Ende des Kriegs. Der Aufstand der Jüd_innen in Sobibór ist eines der eindringlichsten Beispiele gegen die These, Jüd_innen hätten sich wie Lämmer zur Schlachtbank führen lassen.

Im Rahmen der Veranstaltung geht die Autorin Franziska Bruder den Fragen nach, wer die Akteur_innen des Aufstands waren: Woher kamen sie? Verfügten sie über politische, organisatorische oder konspirative Erfahrungen? Wie sahen solidarische Strukturen und Handlungen im Lager aus? Franziska Bruder wird dazu aus den Überlebendenberichten lesen und Ausschnitte aus dem filmischen Interview Claude Lanzmanns mit Jehuda Lerner zeigen, der sich als 17-Jähriger aktiv am Aufstand beteiligte.

 

15. Oktober 2014: Antisemitismus und Israelfeindschaft in islamischen Communities

Antisemitische und israelfeindliche Einstellungen sind in Deutschland nach wie vor weit verbreitet. Das gilt nicht zuletzt auch für die hier lebenden Musliminnen und Muslime. Giyasettin Sayan beleuchtet in seinem Vortrag die Rolle von Moschee-Gemeinden und islamischen Organisationen bei der Verbreitung von Judenhass insbesondere unter Jugendlichen. Dabei kritisiert er auch die weit verbreitete Ignoranz staatlicher Institutionen gegenüber der Gefahr des islamischen Antisemitismus.

Giyasettin Sayan ist türkisch-kurdischer Herkunft. Er hat die Kurdische Gemeinde Berlin mit gegründet. Von 1995 bis 2010 war er für die Fraktion der Partei DIE LINKE Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses und deren migrationspolitischer Sprecher.

 

17. September 2014: Flüchtlinge in Calais und die europäische Flüchtlingspolitik

Es gibt viele Gründe, warum Tag für Tag Menschen aus aller Welt ihre Familien und ihre Heimat verlassen. Sie haben die Hoffnung, sich in Europa ein sicheres Leben und eine menschenwürdige Zukunft zu gestalten. Da Deutschland die politischen Voraussetzungen geschaffen hat, dass nur ein geringer Teil der Migrantinnen und Migranten hier dauerhaft bleiben kann, bekommen wir kaum mit, was in ganz Europa tatsächlich los ist. Ganz offensichtlich wird das in Calais, der französischen Hafenstadt, die nur wenige Kilometer Wasser von England trennt. Hier sammeln sich hunderte von Flüchtlingen auf ihrer langen und gefährlichen Reise. Sie alle wollen nach Großbritannien, weil sie sich dort bessere Bedingungen erhoffen. Flüchtlinge haben in Europa keinen Anspruch auf Bewegungsfreiheit. Sie sind vollkommen rechtlos und auf die Gnade von Behörden angewiesen. In Calais sind sie jeden Tag den willkürlichen Repressionen und brutalen Übergriffen durch Polizeieinheiten ausgesetzt und von Abschiebung bedroht.

Die Organisation „kein mensch ist illegal“ will am Beispiel von Calais die Unmenschlichkeit der europäischen Flüchtlingspolitik aufzeigen, die von Deutschland maßgeblich bestimmt wird.

 

20. August 2014: Krisenjahr 1914 – Die Sozialistische Bewegung und der Erste Weltkrieg

Warum stimmen Linke für den Krieg? Die Grünen taten es 1999 beim Kosovokrieg, die italienischen KommunistInnen zerbrachen an der Abstimmung über den Afghanistaneinsatz, die antideutsche Linke mobilisierte 2003 gegen die deutsche Friedensbewegung und für den Irak-Krieg. Die Voraussetzungen könnten unterschiedlicher nicht sein, doch eins ist gemeinsam: Parteinahme im Krieg der Herrschenden bedeutete immer eine Niederlage für linke Bewegungen, brachte Spaltungen, Hass und Verratsvorwürfe mit sich. Urbild dieser Konflikte ist der 4. August 1914, als Gewerkschaften und Sozialdemokratie in Deutschland durch die Unterstützung des Ersten Weltkrieges von vaterlandslosen Gesellen zu Patrioten wurden.

Gemeinsam mit dem Historiker Ralf Hoffrogge wollen wir uns daher das Jahr 1914 näher anschauen, einen Blick werfen auf den plötzlichen Patriotismus der Linken, aber auch auf die starke Antikriegsbewegung ab 1916, die schließlich in der Novemberrevolution mündete. Danach ist Raum für Diskussionen über Kriege und Antikriegsbewegungen heute

Der Referent Ralf Hoffrogge ist Historiker aus Berlin und Autor der Einführung Sozialismus und Arbeiterbewegung in der Reihe theorie.org sowie der Biographie Richard Müller – der Mann hinter der Novemberrevolution.

 

16. Juli 2014: Gentrifizierung und Recht auf Stadt

Gentrifizierung ist in den letzten Jahren zu einem weitum bekannten Schlagwort für städtische Aufwertungsprozesse geworden. Ganz allgemein gilt aber, dass Städte heute mehr denn je zu zentralen Orten der Kapitalakkumulation und -fixierung geworden sind und sie ökonomisch eine zentrale Rolle einnehmen. Der seit den 1970ern politisch vorangetriebene Prozess der Neoliberalisierung und die damit einhergehende Deregulierung und Flexibilisierung sowie der Rückbau der sozialen Sicherung hat die Kommunalverwaltungen in ein neues Handlungskorsett gezwängt. Lediglich passive Empfänger von Politik „von oben“ sind die Kommunen aber nicht und so gilt es auch die neuen Handlungsmuster städtischer und kommunaler Politiken in den Blick zu nehmen. Kreative Stadt, Aufwertung, Standortmarketing, Sicherheit und Gentrifizierung sind dabei die Schlagworte. Gleichzeitig sind Städte aber auch zu Arenen sozialer Auseinandersetzungen geworden und vielfältige soziale Kämpfen werden in ihnen geführt. Den historischen Pfaden der Neoliberalisierung, was das mit Stadtpolitik, Gentrifizierung, Kreativität und Sicherheit zu tun hat sowie welche Konflikte sich daraus ergeben haben und welche Perspektiven die Parole „Recht auf die Stadt“ bieten kann, soll im Rahmen der Veranstaltung nachgegangen werden.

Der Referent Daniel Mullis promoviert am Frankfurter Institut für Humangeographie. Im März 2014 erschien sein Buch Recht auf die Stadt – Von Selbstverwaltung und radikaler Demokratie im Unrast-Verlag.

Audio-Mitschnitt des Vortrags (MP3, 43 Minuten, 10 MB)

 

18. Juni 2014: Die Grauzone – Rechte Lebenswelten in Punk, Oi und Deutschrock

Immerhin: “Gegen Nazis” sind viele, die sich in Subkulturen oder in der Populärkultur bewegen – Frei.wild-Fans auf der Fußball-Fanmeile oder auch OI-AnhängerInnen, die die Politik sowieso ablehnen. Doch jenseits der White-Power-Rockmusik etablieren sich rechte Lebenswelten, für die die Kategorie “Nazis” genauso wenig zutrifft wie das Label “unpolitisch”. Sie sind irgendwo dazwischen, in der Grauzone. Diese Grauzone reicht weit hinein in “alternative” Szenen und bedeutet einen zunehmenden Raumverlust für linke, emanzipatorische Ideen. Die Veranstaltung wird den folgenden Fragen nachgehen: Wo beginnt die Grauzone, wo hört sie auf? Wieso erlebt sie heute Dynamik? Und was sind eigentliche „rechte Lebenswelten“? Entsprechende Strömungen in Punk und OI sind ebenso Thema wie die Popkultur von Böhse Onkelz und Frei.wild. Zum Einen wird anhand von Beispielen aufgezeigt, wie eng manch „unpolitische? KünstlerInnen aus der Grauzone mit extrem rechten Milieus verwoben sind. Zum Anderen gibt es unappetitliche Einblicke in reaktionäre Männerwelten und spießbürgerliche Rebellionsfantasien.

Der Referent Michael Weiss ist im Antifaschistischen Pressearchiv- und
Bildungszentrum e.V. (apabiz) in Berlin tätig und hat mehrere Bücher zu Lifestyle und Subkulturen der rechten Szene veröffentlicht.

 

21. Mai 2014: Die Entschädigung für NS-Verfolgte als Thema linker Politik. Eine Bilanz der letzten 30 Jahre.

Seit Anfang der 1980er Jahre war der Umgang mit der NS-Vergangenheit ein zentrales Themenfeld linker Politik in der Bundesrepublik. Dies gilt insbesondere für den Streit um Entschädigung für NS-Verfolgte, der damals mit der Diskussion über Sinti und Roma, Homosexuelle, sogenannte „Asoziale“, Zwangsarbeiter und andere „vergessene Opfer“ neu begann. Bis Anfang der 2000er Jahre, als der deutsche Staat und die Privatwirtschaft unter großem Druck Zahlungen an ehemalige Zwangsarbeiter und andere NS-Verfolgte leisteten, wurde der Streit um Entschädigung intensiv fortgeführt. Seither ist jedoch ein großer Bedeutungsverlust dieses Themas zu verzeichnen, der nicht nur mit dem viel zitierten „biologischen Ende“ in der Entschädigungsfrage erklärt werden kann. Denn während in Deutschland das offizielle Selbstbild einer erfolgreichen Bewältigung der NS-Vergangenheit Teil der nationalen Identität geworden ist, leben auch heute weltweit noch zehntausende hilfsbedürftige NS-Verfolgte, von denen viele nie deutsche Entschädigungszahlungen erhalten haben.
Der Vortrag will anhand einer Bilanz des Streits um Entschädigung den Wandels des deutschen Umgangs mit der NS-Vergangenheit in den letzten drei Jahrzehnten nachzeichnen. Dabei sollen insbesondere Ziele und Aktionsformen linker Unterstützer der NS-Verfolgten und die Resultate ihres Handels beleuchtet werden, um daran anschließen über die verbleibenden Möglichkeiten und Probleme einer linken Geschichtspolitik in Deutschland zu diskutieren.

Der Referent Henning Borggräfe ist Historiker und Autor des Buches Zwangsarbeiterentschädigung. Vom Streit um ‚vergessene Opfer‘ zur Selbstaussöhnung der Deutschen, das im Mai im Wallstein Verlag erscheint.

 

16. April 2014: Arbeitssituation und Verdrängungsmechanismen von Sexarbeiterinnen in Deutschland

Heike Köttner (Sozialarbeiterin bei Madonna e.V.) berichtet über den Arbeitsalltag von Sexarbeiterinnen, mit Fokus auf das Ruhrgebiet. Mareen Heying (Historikerin, forscht zur Hurenbewegung) referiert über Kämpfe von Sexarbeiterinnen und deren Forderungen. Beide werden auf aktuelle Debatten und Verdrängungsmechanismen eingehen. Im Anschluss besteht ausreichend Zeit zur Diskussion.

Audio-Mitschnitt des Vortrags (MP3, 33 Minuten, 8 MB)

 

19. März 2014: Der Kosovo-Krieg und die deutsche Linke

Nach einem jahrelang andauernden bewaffneten Konflikt um die Unabhängigkeit der serbischen Provinz Kosovo begann die NATO im März 1999 Luftangriffe gegen Ziele in Serbien zu fliegen. Es war dies der erste Angriffskrieg seit 1945, an dem deutsche Soldaten aktiv beteiligt waren. Dieser Krieg sowie die Tatsache, dass ausgerechnet eine rot-grüne Bundesregierung den NATO-Einsatz maßgeblich forcierte und unterstützte, führten vor 15 Jahren innerhalb der deutschen Linken zu massiven Zerwürfnissen. Die Grünen erlebten zu dieser Zeit den größten Mitgliederverlust ihrer Geschichte, doch insgesamt schien die linke und linksliberale Öffentlichkeit mehrheitlich hinter dem NATO-Einsatz und der deutschen Beteiligung am Kosovo-Krieg zu stehen.

Der Referent Martin Budich ist langjähriges Mitglied des Bochumer Friendensplenums und trat 1999 aus Protest gegen den Kosovo-Krieg bei den Grünen aus.

Audio-Mitschnitt des Vortrags (MP3, 63 Minuten, 15 MB)
ARD-Dokumentation „Es begann mit einer Lüge“ auf YouTube

 

19. Februar 2014: Akteure und Strukturen der rechten Szene im Ruhrgebiet

Bereits seit vielen Jahren ist das Ruhrgebiet eine Hochburg der rechten Szene in Westdeutschland. Regelmäßig finden hier Aufmärsche und Kundgebungen rechter Parteien und neonazistischer Kameradschaften statt. Auch gewalttätige Übergriffe, die bis hin zu Morden an politischen Gegnern reichten, hat es in der Vergangenheit gegeben. Im Herbst 2012 reagierte das nordrhein-westfälische Innenministerium schließlich mit einem Verbot mehrerer Neonazi-Kameradschaften auf die anhaltende Gewalt von rechts. Doch was bedeuten diese Verbote für extreme Rechte im Ruhrgebiet konkret und wie hat die Szene seither auf den staatlichen Repressionsdruck reagiert? Diesen und anderen Fragen wird sich das Antirassistische Bildungsforum Rheinland am 19. Februar in seinem Vortrag über Akteure und Strukturen der rechten Szene im Ruhrgebiet widmen.

Der Referent ist Mitglied im Antirassistischen Bildungsforum Rheinland.

Audio-Mitschnitt des Vortrags (MP3, 60 Minuten, 14 MB) 

 

15. Januar 2014: Verschwörungstheorien und Verschwörungsdenken

Konsequente Verschwörungstheorien, wie sie sich derzeit im Internet entfalten, können helfen einzusehen, dass praktisch alle Menschen beständig ihre Interessen verfolgen. Ideologisches Verschwörungsdenken – der Konspirationismus – dient hingegen politischen Gruppen dazu, sich selbst als uneigennützig und interessenfrei darzustellen, den verschwörerischen Feind jedoch der Verfolgung seiner Interessen und damit der Störung einer vermeintlich harmonischen Ordnung zu bezichtigen. Konspirationismus gedeiht am besten als Staatsideologie, wie vor allem an der deutschen Geschichte der vergangenen zwei Jahrhunderte zu zeigen sein wird.

Der Referent Danie Kulla ist Autor des Buches „Entschwörungstheorie – Niemand regiert die Welt“.

Audio-Mitschnitt des Vortrags (MP3, 64 Minuten, 15 MB)

 

18. Dezember 2013: Die Entstehung des Faschismus in Europa

Frank Pfeiffer, Autor des kürzlich im Verlag Edition Assemblage herausgegebenen Buches „Kurze Weltgeschichte des Faschismus“, wird sich in seinem Vortrag mit den historischen Ursprüngen und Anfängen faschistischer Mobilisierung in Europa beschäftigen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf den während der 1920er und 1930er Jahre in Italien, Deutschland und Spanien an die Macht gelangten faschistischen Bewegungen. Diese dienten und dienen extrem rechten Zusammenschlüssen und Regimen in einer Vielzahl weiterer Staaten als Vorbild, was am Beispiel Ungarns erläutert werden soll. Die Auseinandersetzung mit den beleuchteten Organisationen und Herrschaftsapparaten erfolgt jeweils unter Skizzierung der geschichtlichen Rahmenbedingungen ihrer Entstehung, um die Herausarbeitung nationenspezifischer Faktoren wie grenzübergreifender Muster zu erleichtern. Der Vortrag schließt mit einem Brückenschlag in die Gegenwart sowie einem kurzen Ausblick auf etwaige Zukunftsszenarien faschistischer Bedrohung.

Der Referent Frank Pfeiffer ist Autor des Buches „Kurze Weltgeschichte des Faschismus“, das vor kurzem im Verlag Edition Assemblage erschienen ist.

Audio-Mitschnitt des Vortrags (MP3, 143 Minuten, 24 MB)
Der Vortrag endet relativ abrupt. Der angekündigte Part zur ungarischen Pfeilkreuzler-Bewegung wurde aus Zeitgründen ausgelassen.

 

20. November 2013: Feministische Perspektiven antifaschistischer Politik

Feministische Antifa oder Frauen-Antifa Gruppen entstanden in den frühen 1990er Jahren, meist als Reaktion auf einen fortgesetzten Sexismus in männlich dominierten Antifa-Zusammenhängen. Heute gibt es nur noch wenige solcher Fantifa-Gruppen und auch in der antifaschistischen „Geschichtsschreibung“ spielen sie kaum eine Rolle.
Das Buch „Fantifa. Feministische Perspektiven antifaschistischer Politik“ will das ändern. Es geht den Spuren nach, lässt Aktivistinnen zu Wort kommen, beleuchtet aktuelle feministische Antifa-Arbeit, erläutert inhaltliche Schwerpunkte, fragt nach, was aus Fantifa-Gruppen wurde, eröffnet einen Blick auf die Möglichkeiten männlicher antisexistischer Handlungsräume und diskutiert die fortgesetzte Notwendigkeit feministischer Perspektiven in antifaschistischer Politik.
Interviews mit Aktivistinnen werden ausführlich durch das Herausgeber_innenkollektiv eingeführt und durch Originaldokumente illustriert. Die vergangenen und aktuellen Debatten um Feminismus, Antisexismus und Antifaschismus sollen so zusammengebracht werden.

Die Referentin ist Ko-Autorin des Buchs „Fantifa: Feministische Perspektiven antifaschistischer Politiken“

 

16. Oktober 2013: 20 Jahre Asylrechtsänderung und Solinger Brandanschlag

Am 26. Mai 1993 beschloss der Bundestag mit den Stimmen von Union, SPD und FDP eine Verfassungsänderung, die weitreichende Folgen für die Flüchtlings- und Asylpolitik der Bundesrepublik Deutschland hatte. Erklärtes Ziel der Gesetzesänderung war es, die Zahl der Asylgesuche drastisch zu reduzieren. Nur drei Tage später, am 29. Mai, verübten Neonazis in Solingen eine der schwersten fremdenfeindlichen Gewalttaten der deutschen Nachkriegsgeschichte. Bei einem Brandanschlag auf ein von türkischstämmigen Familien bewohntes Haus kamen fünf Menschen im Alter von vier bis 27 Jahren ums Leben. Ausgehend von diesen beiden Ereignissen berichtet der Referent über die rassistische und fremdenfeindliche Stimmung im wiedervereinigten Deutschland der 1990er Jahre und die flüchtlingspolitischen Folgen der damaligen Gesetzesänderungen.

Der Referent Heinz Drucks ist Mitglied im Vorstand des Flüchtlingsrats NRW

Audio-Mitschnitt des Vortrags (MP3, 67 Minuten, 15 MB)
Präsentation (PDF, 0,8 MB)

 

18. September 2013: Antiziganismus Aktuell

“Dieses Volk lässt sich in unsere Gesellschaft nicht integrieren!”, “Die stammen aus Inzest und von Tieren ab!” Zwei von X unglaublichen Aussagen, die durch Medien, Politik und Gesellschaft immer wieder verbreitet werden und fatale Folgen haben.
Roma, die größte Minderheit Europas. Mit 18 Millionen größer als manch ein EU-Staat. Wer/ was sind Roma? Warum kommen sie in den Westen? Sind sie Wirtschaftsflüchtlinge, die den Sozialstaat ausnutzen wollen? Werden sie politisch verfolgt? Warum gilt die Genfer Flüchtlingskonvention nicht für Roma? Alltags- und Institutioneller Rassismus, Medienhetze und Abschiebung sind fester Bestandteil des Lebens für die meisten Roma. Der Vortrag “Antiziganismus Aktuell” gibt die Möglichkeit mit, statt über Roma zu sprechen. Dabei sollen auch die antiziganistischen Diskurse im Ruhrgebiet thematisiert werden. Nach dem Vortrag gibt es Raum für Kommentare, Fragen und Diskussion.

Die Referentin Hasiba Dzemajlji ist Roma Aktivistin und Geflüchtete aus dem ehemaligen Jugoslawien.

 

21. August 2013: Kritik der Extremismustheorie

Der Begriff des „politischen Extremismus“ steht für einen theoretischen Ansatz, der sowohl in der Wissenschaft, als auch in realpolitischen Zusammenhängen immer wieder auf Kritik stößt. Diese Kritik bezieht sich vor allem auf eine mangelnde Differenzierung zwischen linken und rechten politischen Spektren und einer daraus resultierenden faktischen Gleichsetzung dieser. Dementsprechend erscheinen realpolitische Entscheidungen, bei denen Bezüge zur Extremismustheorie deutlich werden, mehr als fragwürdig. Als Beispiel ist hier die so genannte „Extremismusklausel“ zu nennen, dessen Ziel es sein soll „eine Unterstützung extremistischer Strukturen“ mit öffentlichen Geldern zu verhindern.

Um der politischen Intention dieser und ähnlicher Entscheidungen auf den Grund gehen zu können, bedarf es einer genaueren Betrachtung der theoretischen Grundlagen des Extremismusbegriffs und seiner Bezüge zur Totalitarismustheorie. Dass der Begriff des „politischen Extremismus“ in der Kritik steht, wird nach der Analyse beider Modelle nicht mehr verwundern. Dies hält den Verfassungsschutz, einige politische Institutionen und Politiker_innen in Deutschland, jedoch nicht davon ab, an dem umstrittenen Extremismusbegriff festzuhalten und weiter mit ihm zu arbeiten.

Der Referent ist Mitglied im Arbeitskreis Extremismusbegriff

Audio-Mitschnitt des Vortrags (MP3, 51 Minuten, 12 MB)

 

17. Juli 2013: Einführung in die Kapitalismuskritik

Kapitalismuskritik gehört zu den Kernthemen linker Gesellschaftskritik. Aber auch wenn es ein grobes Einvernehmen darüber gibt, wie „richtige“ Kritik am Kapitalismus auszusehen hat, beziehungsweise wie sie auf keinen Fall aussehen darf, ist es zwischen all den Debatten gar nicht so einfach, einen Einblick in ihre Grundlagen zubekommen. Der Vortrag versucht daher, einen Ein- und Überblick in die – marxistische – Kapitalismuskritik zu geben und zentrale Fragestellungen anzureißen: Was hat es mit der Universalität der Warenform auf sich? Wieso ist es vielen so wichtig, nicht nur Geld und Zinsen zu kritisieren? Warum hört man immer wieder, Kritik habe materialistisch zu sein?

Der Referent gehört dem Arbeitskreis Rote Ruhr Uni an.

Audio-Mitschnitt des Vortrags (MP3, 44 Minuten, 21 MB)

 

19. Juni 2013: Antifa – Geschichte und Organisierung

Antifa heißt…. – ja wat denn?

Als Ende 2011 heraus kam, dass Nazis als Killerkommando durchs Land ziehen und mindestens 10 Menschen getötet haben, saß der Schock tief. Unsere Reaktion fand getrennt von den Angehörigen der Opfer des NSU statt. Erst die Kampagne Rassismus tötet und ähnliche Ansätze schafften den notwendigen Kontakt zu den Angehörigen.
Warum wussten wir nichts vom NSU und warum haben wir den rassistischen Hintergrund übersehen? Reicht uns da eine Kampagne wie Rassismus tötet?

In einzelnen Städten ist es durch breite Bündnisse wie in Dresden gelungen, Naziaufmärsche zu stoppen und Nazi-Netzwerke zurück zu drängen.
Warum ist es in Dortmund nicht möglich, den jährlich stattfindenden Nazi-Aufmarsch zu verhindern? Und warum funktioniert die Zusammenarbeit vor allem mit den migrantisch geprägten Gruppen so schlecht?

Schröders „Aufstand der Anständigen“ schaffte auch innerhalb der Antifabewegung das trügerische Bild, dass antifaschistischer Kampf von Oben die rechte Gefahr eindämmen würde. Heute wissen wir, dass schon zu dieser Zeit eine rechtsterroristische Struktur bestand, die sich auf die Ideen von Combat 18 und 14 Words bezog.
Haben Verbote von Naziorganisationen und offizielle Lippenbekenntnisse für uns eine Relevanz?

Erschreckend, aber im Rückblick keinesfalls verwunderlich, ist, dass der neonazistische Hintergrund eines der brutalsten Mord/Brandanschläge auf Flüchtlinge 1996 in Lübeck von Staat, Justiz, Polizei, Geheimdienst, Politik und Medien vertuscht wurde. Antirassistische Gruppen versuchten über Jahre hinweg dem etwas entgegenzusetzen.
Wie verschaffen wir uns einen größeren Einfluss auf die öffentliche Meinung?

Dies und mehr soll in der Veranstaltung diskutiert werden.

Geschichte wird gemacht, es geht voran?

Der Referent ist Mitglied der Antifa Bonn/Rhein-Sieg.

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